Situation für Frauen

Die Situation der Frau in Saudi-Arabien und der ihr auferlegte Verhaltenskodex wird durch die wahhabitisch-konservative Auslegung des Islam bestimmt. Zivilrechtlich sind Frauen saudischer Staatsangehörigkeit nicht voll geschäftsfähig. D.h. sie können Rechtsgeschäfte ohne den männlichen Vormund nicht tätigen. Dessen Zustimmung kann auch im Nachhinein eingeholt werden. Allerdings ist es nicht-saudischen Frauen in jüngster Zeit erlaubt, geschäftliche Vereinbarungen zu treffen.

Insbesondere von saudischen, aber auch anderen muslimischen Frauen wird eine strikte Befolgung der Kleidungs- und gesellschaftlichen Umgangsregeln erwartet.
Eine gewisse Sonderrolle nehmen westliche Frauen christlicher Religionszugehörigkeit ein. Ihnen wird ein größeres Maß an Freiheit zugestanden. Dennoch empfiehlt es sich, eine Reihe von Regeln, Geboten und Verboten zu beachten.

Ausgangspunkt des Verhaltens der westlichen Frau in Saudi-Arabien sollte das Bewusstsein davon sein, dass angesichts der weitgehend üblichen Totalverschleierung der saudischen Frau jede davon abweichende Kleidung auffällt. Hier gibt es allerdings regionale Unterschiede, aber auch unterschiedliche Verhaltensmuster zwischen einzelnen Altersgruppen. Auf dem Land wird die Totalverschleierung mehr praktiziert als z.B. in den Küstenmetropolen Djidda oder Dammam/Al Khobar. Trotz erheblichem sozialen Druck trifft man immer wieder auf jüngere Frauen, die lediglich Kopftuch tragen. Um einerseits religiöse Gefühle saudischer Bürger nicht zu verletzen, andererseits aber dennoch die eigene Identität als westliche Frau zu bewahren, empfiehlt sich, wie hier allgemein üblich, das Tragen eines schwarzen, den Körper und die Beine komplett verhüllenden Umhanges (sog. Abaya). Das Tragen eines Kopftuches wird von Angehörigen des "Komitees zur Förderung des Guten und Verhinderung des Bösen" - den sog. Mutawa ("Religionswächter") - zwar regelmäßig gefordert, ist aber letztlich nicht zwingend erforderlich. Um Konflikte zu vermeiden, empfiehlt die Botschaft aber bei Aufforderung die Haare zu bedecken, der Bitte nachzukommen. In der Regel reicht dafür ein leichter Schal, der mit der Abaya getragen werden kann. Generell empfiehlt es sich, in der Öffentlichkeit und in der Gesellschaft von Männern weite, die Arme und Beine möglichst nicht betonende Kleidung zu tragen. Frauen dürfen - z.B. im Schwimmbad des Hotels - nicht gemeinsam mit Männern baden.

Für nach Saudi-Arabien reisende Frauen ist es natürlich nicht immer möglich, direkt am Flughafen eine Abaya zur Hand zu haben. Grundregel ist daher: Für die Fahrt vom Flughafen bis zur Unterkunft wird ausnahmsweise das Nichtanlegen einer Abaya geduldet. Die großen Hotels haben in der Regel Abayas, die geliehen werden können. Auch Geschäftspartner können sicherlich behilflich sein.

Für Frauen besteht ein absolutes Autofahrverbot. Bei der Benutzung von Taxis ist darauf zu achten, daß Frauen keinesfalls auf dem Beifahrersitz Platz nehmen. Auch wenn ein anderes Fahrzeug mit einem nicht-verwandten Fahrer benutzt wird, sollten Frauen auf den Rücksitzen Platz nehmen.

In Restaurants herrscht in der Regel strikte Geschlechtertrennung. In den Restaurants der großen Hotels wird diese jedoch nicht praktiziert. Dazu gehören in Riad u.a. die Restaurants im Ritz-Carlton, Al Faisaliah, Intercontinental, Marriott und Sheraton. Viele Speiserestaurants verfügen auch über sog. "Family Sections", in denen Frauen und Männer gemeinsam speisen können, sofern die Frauen mit einem der anwesenden Männer entweder verheiratet oder verwandt sind. Eine Überprüfung findet im Regelfall allerdings nicht statt.

In Modegeschäften ist Frauen die Anprobe von Kleidungsstücken nicht gestattet. Die Rückgaberegelung bei Nichtgefallen oder fehlender Paßform wird allerdings großzügig gehandhabt. Einige Bekleidungsgeschäfte verfügen über eigene, abgeschlossene Damenabteilungen, in denen die Ware auch anprobiert werden kann. (Männern ist der Zugang zu Damenbekleidungsgeschäften im allgemeinen untersagt).

Auch Banken (allerdings nur größere Filialen) verfügen über getrennte Damenabteilungen, zu denen Männer keinen Zutritt haben.

Im saudischen gesellschaftlichen Leben ist die gemeinsame Einladung von Männern und Frauen nicht die Regel. So werden z. B. Hochzeiten getrennt nach Geschlechtern gefeiert. Allerdings ändert sich die gesellschaftliche Praxis nach und nach. Einladungen von Männern und Frauen zu gesellschaftlichen Veranstaltungen im privaten Rahmen, insbesondere von Saudis mit starken Verbindungen zum westlichen Ausland, sind möglich.

Die Rolle der Frau in der saudischen Gesellschaft ändert sich. König Abdallah hat durch zahlreiche Reforminitiativen Frauen die Chance zu stärkerer gesellschaftlicher Teilhabe eröffnet, König Salman hält an diesem Kurs fest. So studieren gegenwärtig mehr junge saudische Frauen als saudische Männer an den Hochschulen im In- und Ausland. Im Dezember 2015 nahmen Frauen erstmals an Kommunalwahlen teil (aktiv und passiv). Die Berufstätigkeit von Frauen ist in den letzten Jahren Schritt für Schritt auf zahlreiche Sektoren ausgeweitet worden. Saudische Frauen arbeiten nicht mehr nur im Erziehungs- und Gesundheitswesen, sondern auch als Verkäuferinnen, in der Verwaltung oder im Dienstleistungssektor. Eine der erfolgreichsten Unternehmerfamilien in Saudi-Arabien wird von einer Frau (Lubna Olayan) geführt. Frauen, die in offzieller Funktion unterwegs sind und von Gesprächspartnern hier empfangen werden, sollten abwarten, bis sich ermessen lässt, wie aufgeschlossen im einzelnen der Gesprächspartner westlichen Gewohnheiten gegenüber ist. So ist z.B. ein Händedruck zwischen Männern völlig üblich, zwischen Männern und Frauen allerdings eher die Ausnahme.